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BeitragVerfasst: 06.04.2011, 17:14 
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Hallo zusammen,

im "Schnäppchen oder auch nicht" gabs vor ein paar Wochen einen Thread über das Fragment einer MDT Lok, die auf eBay versteigert wurde. Ich war mit meinem Gebot erfolgreich und möchte hier nun über das Entstehen der Lok berichten.
Eigentlich bin ich im Moment mit einer kleinen Serie der "Jack" nach dem ausgezeichneten Buch von Brian Wilson beschäftigt: Ich möchte die gleiche Lok einmal mit Gas- und einmal mit Kohlefeuerung bauen. Aber da gibt es viel zu lernen, und so ist der kleine C-Kuppler ein nettes Projekt für zwischendurch.
Ach ja: Da ich meinen ersten Baubericht im Buntbahnforum geschrieben habe, werde ich dort parallel auch schreiben. Ich hoffe das strt niemanden. Der erste Eintrag ist weitgehend identisch, mal sehn,wie sich die Threads dann auseinander entwickeln.

=====================================================================================

Zur Geschichte der Lok:

Die Familie Rantzau hörte mit großem Interesse vom erfolgreichen Einsatz von Dampfloks auf der bis dahin mit Pferden betrieben Waldeisenbahn Muskauer Waldeisenbahn. Die eigenen 600mm Feldbahnschienen lagen schon lange und entschloß sich schließlich bei O&K einen kleinen B-Kuppler zu kaufen. So sollten auf den eigenen Gütern besser die verschiedenen Ton- und Sandgruben sowie die Wälder erschlossen werden können.
Der kleine B-Kuppler erfüllte die Erwartungen nur teilweise: Die Lok war mit nur 20PS deutlich zu schwach für die Züge auf den gräflichen Bahnen, ein den Steigungen konnte die Lok teilweise nur zwei beladene Loren schleppen.
Da die Lokomotivbetrieb an sich überzeugte, mußte eine leistungsfähigere Lok her. Aufgrund der leichten Schienen mußte es aber diesmal eine dreifach gekuppelte Lok sein.
Weiterhin sollte die neue Lok folgende Randbedingungen erfüllen:
1) Da es mit der ersten Lok häufig Probleme mit Waldbrand gegeben hatte, sollte die neue Lok über einen funktionierenden Funkenfänger verfügen.
2) Viele Bauern beschwerten sich, daß das wirbelnde Triebwerk die Pferde und Ochsen scheu machte, daher sollte die Lok ein verkleidetes Triebwerk bekommen.
3) Um beim Rangieren eine bessere Übersicht zu haben und besser vor dem norddeutschen Landregen geschützt zu sein, wünschte sich das Fahrpersonal eine Kastendampflok.

Die Auslieferung der Lok sollte noch im Sommer erfolgen um bei der nächsten Ernte schon voll einstzfähig zu sein.

...
Soweit erstmal.
Dieser Thread zeigt nun den Baufortschritt mit Fotos aus dem Herstellerwerk :-)

Zur "echten" Technik:
Leider findet man über die MDT Loks wenig im Netz, aber was man findet ist sehr positiv. Da der Preis bei der Auktion unter meiner "Schmerzgrenze" für ein Experiment blieb, durfte ich mir die Lok ein paar Tage später in Hamm abholen.
Hier der wesentliche Teil der "Kaufmasse": (dazu noch ein paar Cu-Rohre, etwas Messing und eine 27Mhz Funke, die demnächst in einem Spielzeug für meinen Sohnemann landet.)

001_Kaufmasse (GNEUJR)
Bild

Laut Vorbesitzer lief die Lok nicht mehr als ein paar Sekunden, dann war "Ende", und der Kreuzkopf es linken Kolbenschiebers war auch hinüber:

002_Schieberkreuzkopf (GNEUJR)
Bild

Ich habe die Lok teilweise zerlegt, vermessen und nachgedacht. Die Steuerung war vollständig verstellt, die Kräfte der beiden Kolben haben sich weitgehend aufgehoben. Aber offenbar habe ich an meiner ersten Lok ausreichend gelernt: Nach einer knappen Stunde lief das nackte Triebwerk unter Druckluft ab 0,2bar wie eine kleine Nähmaschine. Von dem Moment an war ich mir sicher, daß das Geld für das Fragment nicht zum Fenster hinaus geworfen war.

Das nächste "Problem" war der Kessel. Laut Vorbesitzer machte er fast keinen Dampf. Nach dem Zerlegen war mir auch klar warum: Es ist ein aussen-beheizter "Bot-Boiler", und der Spalt zwischen Innenkessel und äußerer Hülle war VOLLSTÄNDIG mit Ruß gefüllt. Da Ruß ein toller thermischer Isolator ist, kam da natürlich fast keine Wärme im Wasser an...


003_Kessel01 (GNEUJR)
Bild


004_Kessel02 (GNEUJR)
Bild

Der Kessel hat ein großes Fenster, man kann also prima den Wasserstand sehen. (Davon gibt´s demnächst auch ein Video, das kochende Wasser sieht super aus!) Eine Druckprobe habe ich auch gemacht: 5bar über 24h ohne Verluste gehalten, alles bestens!

Soweit zur Ausgangssituation und Kaufmasse.

008_Fahrwerk_von_oben (GNEUJR)
Bild


009_Fahrwerk_Seite (GNEUJR)
Bild


010_Fahrwerk_unten (GNEUJR)
Bild


Ich habe lange nach einem passenden Vorbild für eine C-gekuppelte Feldbahnlok gesucht, aber zu der bekannten O&K Lok (die z.B. bei der WEM fährt) will das Triebwerk mit den Speichenrädern und der angetriebenen zweiten Achse so gar nicht passen. Außerdem ist die äußere Steuerung der Lok insgesamt sehr "rudimentär". Irgendwann bin ich über den "Kastendampflok" Thread im BBF gestolpert, und auch wenn ich keine Bilder von dreifach gekuppelten Kastendampfloks für 600mm Spurweite finden konnte, habe ich mich entschlossen eine solche zu bauen. Das Triebwerk wird hinter Klappen versteckt, und schon ist das alles nicht mehr so schlimm.
Und die Gesichte von oben ist nun wirklich SEHR glaubwürdig :-)

Da das Fahrwerk an sich jetzt prima funktioniert ist gar nicht mehr so viel zu tun:

Einen neuen Gastank:

005_Bauteile_Gastank (GNEUJR)
Bild


011_Gastank_geloetet (GNEUJR)
Bild



Den Kessel und die äußere Hülle überarbeitet:


006_Bauteile_Kessel (GNEUJR)
Bild


007_Kessel_mit_Huelle (GNEUJR)
Bild



Alles zusammen auf das Fahrwerk:


012_Gastank_Kessel_Fahrwerk_montiert (GNEUJR)
Bild


013_Fahrwerk_von_unten_mit_Servo (GNEUJR)
Bild


einen Servo für das Umsteuerventil:



013_Fahrwerk_von_unten_mit_Servo (GNEUJR)
Bild


Und mit Druckluft läuft alles prima:

014_Test_mit_Druckluft (GNEUJR)
Bild



Und dann kam gestern ein riesiges Paket mit gigantischen Bohrern:

015_Bohrer (GNEUJR)
Bild

Zum Größenvergleich liegt eine M2 Schraube daneben: 0,2mm sind wirklich dünn! Ich habe mir erst viele Gedanken gemacht, wie man das Loch bohrt, ohne die sauteuren Bohrer sofort zu schrotten, aber zum Glück war das Bohren der Gasdüse mit einer Feinbohrhilfe so überhaupt gar kein Problem: Bohrer rein, Maschine an, ansetzen, anbohren, durchbohren, Maschine aus, fertig!

016_Gasdüse_bohren (GNEUJR)
Bild

Der Anschluß an den Gastank mußte dann schnell entstehen, uns so konnte ich das erste mal den Brenner zünden:


017_Brenner_brennt_01 (GNEUJR)
Bild


018_Brenner_brennt_02 (GNEUJR)
Bild

Der Brenner ist nahezu lautlos, nicht dieses furchtbare Kreischen des Brenners meiner "Roxel". Ich bin begeistert!! Leider fehlte der Flamme eine gehörige Portion Sauerstoff, das ganze rußte wie verrückt. Ich habe erst auf beiden Seiten der Feuerbüchse eine Reihe von 11 D3mm Löchern gebohrt, aber das brachte nichts. Ich habe dann versuchsweise vier 2,5mm Löcher in das Rohr zwischen Gasdüse und Brennerstock gebohrt, und siehe da: Die Flamme brennt nun rußfrei und offenbar wesentlich heißer, denn das Wasser kocht nach einem Bruchteil der Zeit.

Ja, soweit der Stand der Dinge bis heute.

Viele Grüße aus Münster

Gerd


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BeitragVerfasst: 06.04.2011, 18:22 
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Moin Gerd,
so wie es aussieht scheint das ein Wilescokessel zu sein und die sind meines Wissens alle weichgelötet(was man auf den Bildern erkennen kann ist dem auch so :OW ).Bitte pass mit dem Kesselchen kombiniert mit einem Gasbrenner auf!
Nachdem ich dein Erstlingswerk gesehen habe traue ich dir zu, dass du einen wesentlich besseren Kessel unter Einsatz der vorhandenen Teile herstellen kannst.Ein kleiner Siederohrkessel bringt mit Sicherheit eine Leistungssteigerung :) Die Maschine/Das Triebwerk ist nur der Kraftwandler, die eigentliche Leistung wird vom Kessel und dessen Leistungsfähigkeit bestimmt.
Ansonsten weiter so, ich bin gespannt :D
Gruß Janosch

_________________
Es ist vollkommen egal, wie oft man im Leben hinfällt. Es ist nur wichtig, wie oft man wieder aufsteht.


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BeitragVerfasst: 06.04.2011, 20:22 
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Hallo Janosch,

ich kann Dich beruhigen: Das ist kein Wilesco Kessel und auch nicht weich gelötet. Ich denke daß zur der Zeit diese Art der Kessel "State of the Art" waren. beck hat auch so gebaut, Aster (-> LGB "Frank S").
Der Kessel stammt so aus der Hand von Herrn Schweer, und ich denke er wußte, was er tat: Ich habe bisher neun Besitzer von MDT Maschinen auftreiben können und alle sind mit Ihren Loks und der Leistung des Kessels zufrieden.

Ich werde das ganze Maschinchen erstmal so ausprobieren, viel fehlt ja nicht mehr. Falls sich der Kessel als zu schwach herausstellen sollte, kann ich immernoch einen neuen stricken.

Ich setze mich jetzt mal an die Rauchkammertür :-)

Viele Grüße

Gerd


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BeitragVerfasst: 07.04.2011, 06:27 
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Hallo Gerd!

Super das du deinen Baubericht auch hier im Forum eingestellt hast. :E

Wünsche dir gutes Gelingen :)

Gerald :wink:

_________________
Zwisch'n Soizburg und Bod Ischl ....


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BeitragVerfasst: 07.04.2011, 08:58 
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Beiträge: 222
Janosch hat geschrieben:
Moin Gerd,
so wie es aussieht scheint das ein Wilescokessel zu sein und die sind meines Wissens alle weichgelötet(was man auf den Bildern erkennen kann ist dem auch so :OW )

Hallo Janosch

Vermutlich hast du anhand der Bauart des Schauglases auf einen Kessel von Wilesco getippt? Das hatte ich jeweils auch wenn ich Kessel auf Fotos mit solchen Schaugläsern gesehen habe. Später habe ich festgestellt das sich wohl mancher "Kesselbauer" aus dem Ersatzteilsortiment von Wilesco mit Kaufteilen eingedeckt hat und die Teile auch verbaut hat. Solche Kessel habe ich in der Zwischenzeit schon mehrfach in der Hand gehabt, besonders das Wasserstandsglas, die passenden Dichtungen und der Flanschring wurden gerne verwendet. Ob das beim oben genannten Kessel auch so ist weiss ich nicht, wäre aber möglich. Der Vorteil solcher Konstruktionen ist das Ersatzteile immer noch leicht erhältlich sind da Wilesco offenbar die Abmessungen seit Urzeiten nicht verändert hat (versuch mal Ersatzteile für Aster Modelle zu bekommen :GR ).
Und natürlich hast du recht, Kessel von Wilesco sind weichgelötet, mit Gas- und Spiritusfeuerung sollte man dem Wasserstand grosse Aufmerksamkeit zukommen lassen.

_________________
Zu den Quellen gelangt man gegen den Strom


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BeitragVerfasst: 07.04.2011, 15:20 
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Hallo Gerald,
Zitat:
Und die Gesichte von oben ist nun wirklich SEHR glaubwürdig :-)

Ist sie! 8)

Gruß
Sascha :)

_________________
Als Eltern machen wir Fehler, keiner kann alles richtig machen,
es kommt nur darauf an, es mit viel Liebe falsch zu machen.


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BeitragVerfasst: 07.04.2011, 15:50 
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*** SchienenDampfer
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Gerd_Neumann hat geschrieben:
Ich habe bisher neun Besitzer von MDT Maschinen auftreiben können und alle sind mit Ihren Loks und der Leistung des Kessels zufrieden.

Gerd


Hallo Gerd!

Weist Du welche Lok - Typen Herr Schweer gebaut hat?
In welchen Zeiraum hat er gebaut?

VG Heinz


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BeitragVerfasst: 08.04.2011, 15:02 
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**** SchienenDampfer
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Hallo Heinz,
ich habe Kenntnis von 2 Loktypen, die Schweer gebaut hat, die Achensee-Zahnradlok und die Waldenburg CH. Hier 2 Bilder aus einem alten Holzapfel-Katalog,( Holzapfel Dampfmaschinen Winterthur CH )

Bild

Bild

Herzlichst Pierre


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BeitragVerfasst: 08.04.2011, 17:14 
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Moin,

ausser der Zahnradlok und der Waldenburg (von der wohl mein Fahrwerk stammt) scheint Herr Schwer noch einen Stainz-ähnlichen B-Kuppler gebaut zu haben. Bei meinen Recherchen zu MDT hatte ich davon ein Bild gefunden, aber auf der entsprechenden Seite (dort stand die Lok zum Verkauf) ist das Bild entfernt :-(

Viele Grüße

gerd


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BeitragVerfasst: 08.04.2011, 18:14 
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Hallo zusammen,

hier ein Screenshot, wie das Gehäuse der Lok aussehen soll:

CAD Gehäuse Kastendampflok
Bild

Die Triebwerksklappen und die Türen sind ausgeblendet.

Viele Grüße

Gerd


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BeitragVerfasst: 09.04.2011, 11:58 
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Hallo Gerd,

Schweer hat auch noch ein der Chiemseebahn ähnliches Modell gebaut. Vieleicht mit dem selben Fahrwerk wie für die Stainz.

Dein Bauvorhaben finde ich super. Das Gehäuse sieht schon toll aus.

Viele Grüße,
Nick


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BeitragVerfasst: 09.04.2011, 13:17 
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Hallo Nick,

stimmt, Du hast recht: Davon hatte ich auch Bilder gefunden, aber niemanden, der eine besitzt.
Der gräfliche Feldbahninspektor hatte auf seiner Reise zu Krauss nach München auch so ein neuartiges Gerät zum Aufzeichnen von bewegten Bildern dabei:



Das geht schon mal :-)

Viele Grüße

gerd


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