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BeitragVerfasst: 02.02.2011, 18:19 
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Hallo SchienenDampfer!

Noch ein Beitrag vom 23. Jänner 2008 aus dem alten SBF, etwas angepasst.

Wolfgang hat mir damals eine Beschreibung der Teflon-Kolben, die er in seine Rote Emma eingebaut hat, zukommen lassen - also, wenn jemand Lust hat das nachzubauen ....

 
Kolben zweiteilig mit Teflonlauffläche

Die gute Erfahrung mit PTFE-Steuerkolben bei Testfahrten in der gesamten Länge von über 170 km ermutigte mich auch den Arbeitskolben mit einer durchgehenden Lauffläche zu versehen.

Folgende aufgelistete Eigenschaften des Teflonwerkstoffs wurden dabei ausgenützt:
* beständig gegen Heißwasserdampf
* sehr gute Gleiteigenschaften
* verhältnismäßig hohe Wärmeausdehnung
* Memoryeffekt

Aus der Sparte der nachteiligen Eigenschaften möchte ich zwei anführen:
* das Kaltflussverhalten
* die verhältnismäßig geringe Verschleißfestigkeit

Vorab einige Worte zur Geschichte dieser Kolbenbauweise

Beim Fachsimpeln während der Modellbaumesse 2005 in Wien meinte Hr. Manfred Regner, dass er sich auch einen geteilten Kolben vorstellen könnte.
Diese Aussage war der Auslöser für dieses Projekt, welches aus Rücksicht von mir bis dato nicht verwirklicht wurde, um bestehenden Bauarten keine Konkurrenz zu machen.

Im folgenden Jahr heizte ich die “Rote Emma” bei der Wiener Modellbaumesse zum allerersten Mal an. Sie machte ordentliche Dampfwolken, der Sound war auch nicht schlecht, aber die Leistung war mittelmäßig. Die Ursache dafür war der nicht vorhandene O-Ring zwischen Messingkolben und Teflonummantelung. Ich dachte die Konstruktion der Steuerkolben, welche keine O-Ringe benötigen, übernehmen zu können.

Der nächste öffentliche Auftritt erfolgte mit nachträglich eingebauten O-Ringen beim Pfingsttreffen 2007 der Fa. Regner. Die Nürnberger Podestanlage wurde zur Teststrecke erklärt. Der Leichtlauf der Kolben ist imposant, aber ohne starker Kurvenüberhöhung der Schienen nicht testbar.

Die Konstruktion des Kolbens

Leider bin ich „zu spät geboren“ um sie für mich reklamieren zu können. Aber Materialwahl und die Formgebung sind das entscheidende für diese Anwendung.

Erläuterung der Bauteile

Die Kolbenstange (Niro) hat ein M3-Maschinengewinde. Dieses wird mit dem Schneideisen nachgeschnitten (nicht Freihand!) Die beiden Messingscheiben werden jeweils in einem Arbeitsgang gedreht und mit dem M3-Innengewinde versehen. Nun wird bei der abgesetzten Scheibe das Gewinde geringfügig ausgefräst. Beide Scheiben erhalten außen 2 Sacklöcher für die Stiftschlüssel.

Erfreuliche Tatsachen: die beiden Kolbenhälften werden von mir nur mit der Hand angezogen und nicht verklebt! Der Rundlauf beider Scheiben ist gegeben, wenn die abgesetzte Scheibe nicht am Gewindeende der Kolbenstange anliegt.

Aufmerksame Leser erinnern sich, dass ich den O-Ring erst später eingebaut habe und benötigen keine zusätzlichen Kommentare für die aufwendige Gestaltung der Scheibeninnenseiten. Die Lauffläche des Kolbens ist nur ein Rohr mit mittig innenliegenden ringförmigen Steg. Zwischen dem leicht abgesetzten Außendurchmesser des Messingkolbens und dem Innendurchmesser des Teflonrohres ist ein Luftspalt. Der eindringende Dampf erwärmt das Teflon.

Somit nützte ich die Eigenschaft, dass ungefülltes Teflon sich verhältnismäßig stark ausdehnt. Der Kolben dichtet erst wenn er heiß wird und legt sich mit zunehmenden Dampfdruck an die Zylinderwand an.

Warnung für alle die diesen Kolben für den Eigenbedarf nachbauen wollen und möglicherweise scheitern. Es gibt nur einen richtigen Kolbendurchmesser und der kann nur mit Dampf getestet werden. Das bedeutet, den Kolben in die Maschine einbauen, anheizen, Treibstange nicht mit dem Kreuzkopf verbinden, die Maschine vor- und zurückbewegen. Somit kann man feststellen, ob der Kolben noch klemmt, richtig funktioniert oder leider schon den Dampf durchlässt.

Zu den Maßangaben meiner Handskizze möchte ich bemerken: wichtig ist nur das Maß des Kolbenaußendurchmessers, alle anderen Maße sollen Wanddicken und Luftspalte zeigen.

Für den Nachbau eines funktionierenden Kolbens drehe ich ein Kalibrierrohr. Der kalte Teflonkolben soll sich im Rohr leicht schieben lassen, aber nicht durchfallen. Anschließend wird ein Messingdorn gedreht, der genau ins Rohr passt. Mit der gleichen Supporteinstellung müsste man eigentlich den Teflonkolbendurchmesser ziemlich genau erreichen. Das Kalibrierrohr bringt den Beweis.

Die Innendurchmesser des Teflonrohrs könnten durch Fräser, Stufenbohrer oder Innendrehstähle entstehen und demzufolge leicht abweichen. Die Breite des ringförmigen Stegs im Teflonrohr wird vorzugsweise der Schnurdicke des O-Ringes angepasst. die Höhe des Stegs ist abhängig von den O-Ringmaßen. Das Maß der Nuttiefe folgt daraus. Notfalls wird der O-Ring leicht überdehnt, wenn sein Durchmesser nicht ganz ins Konzept passt.

Zum Schluss möchte ich noch zu bedenken geben: diese BAUART der Kolben funktioniert NICHT mit Druckluft und die Maschine kann man deshalb NICHT „einlaufen“ lassen was aber auch nicht notwendig ist.

Die Teflonkolben müssen von Anfang an das richtige Maß haben. Bei den Teflonlagern nützt man das Kaltflussverhalten des Werkstoffs.

Zur Kritik der geringen Verschleißfestigkeit von ungefülltem Teflon:
Wenn die Reibung so groß würde, dass Teflon Bauteile verschleißen könnten, bewegt sich die Maschine sowieso keinen Millimeter mehr.

In Langstreckentest absolvierten Lokomotiven mit Teflonbauteilen Distanzen von über 170km (das entspricht mehr als 3 Millionen Kolbenhüben) und weisen noch immer keinerlei Abnützungserscheinungen auf.

Dass die Zylinderlaufflächen spiegelglatt sind (und bleiben) ist glaube ich nicht notwendig extra zu betonen*, aber ich erwähne es halt trotzdem!

mfG
Wolfgang Kropatschek


* Die Zylinderlaufflächen werden von den Kolben nicht verkratzt (Längsriffen). Im Gegenteil, sie werden spiegelglatt poliert. Das schützt die Teflonlaufflächen vor Beschädigungen.


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So, und nun noch ein paar Bilder vom Kolben:

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BeitragVerfasst: 02.02.2011, 18:29 
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Zwei Wege zum Ziel

Erster Weg:

Wir nehmen an, der Außendurchmesser des Teflonrohres ist bekannt!
(Ich meine nicht den Durchmesser der Zylinderbohrung)

Arbeitsschritte:
(1) Messingdorn mit dem Durchmesser des Teflonkolbens drehen.
(2) Supporteinstellung notieren.
(3) Kalibrierrohr mit Hilfe des Dorns drehen.
(4) Teflonstab auf Kolbendurchmesser bringen.

Bevor die notierte Supporteinstellung erreicht wird, den Werkstoff auskühlen
lassen und sicherheitshalber mit dem Kalibrierrohr prüfen!
Vorsicht: wenn die Oberfläche nicht glatt ist, könnte der Eindruck entstehen,
dass der Durchmesser noch größer ist. Man überarbeitet mit derselben
Supporteinstellung ein zweites Mal oder manchmal auch öfter! Zum Schluss soll
das Rohr richtig gleiten. Nach der zweiten Anprobe rutscht es leichter, weil
die Teflonoberfläche glatter wird.
Zu beachten beim Teflonwerkstoff spannen: besonders dann, wenn das Spannfutter
mit der Zeit wärmer wird, lässt die Spannkraft eventuell nach!

Begründung:
1.) Kaltflussverhalten - Verkleinerung des Umfangs = Vergrößerung in der
Längsrichtung
2.) Wärmeausdehnung von Teflon - wenn radial keine Ausdehnung möglich ist,
erfolgt sie axial. Nach dem Wärmeentzug schrumpft das Material geringfügig =
Verkleinerung der Spannkraft.
Der Memoryeffekt tritt erst dann ein, wenn Teflon spannungslos erwärmt wird.
Zum Beispiel, wenn der Kolben das erste Mal in der Maschine mit dem Dampf in
Berührung kommt. Jetzt kommen alle Spannfehler ans "Tageslicht"
Verformungen des Teflons (Dreibackenfutter) werden durch die Wärmebehandlung
teilweise rückgängig gemacht.
Die besseren Ergebnisse erzielt man, wenn Messingspannhülsen mit Kolbenübermaß
angefertigt und kurze Teflonstäbe eingepasst werden. Die Messinghülse ragt
ungefähr 5 mm aus dem Maschinenfutter heraus, das Teflon nur die Baulänge +
Abstechbreite!

(5) kleinsten Kolbeninnendurchmesser drehen
(6) Teflonrohr mit kleinem Übermaß abstechen (den letzten dünnen Rest mit der
Rasierklinge)
(7) Messingspannhülse mit innenliegenden Steg drehen. Der Innendurchmesser ist
ident mit dem Außendurchmesser des Kalibrierdorns. Drei axiale Einfräsungen
werden zum Schluß mit dem 0,1mm Proxonkreissägescheibchen durchtrennt.
(Schnittlänge= Baulänge -3mm)
(8) Messingspannhülse bis zum Anschlag ins Maschinenfutter stecken, Teflonrohr
gleichfalls bis zum Innenanschlag in die Spannhülse.
(9) Herstellen der Kolbenlänge durch Plandrehen (im Idealfall bündig mit der
Spannhülse)
(10) Eindrehen oder mit dem Reitstock einfräsen des zweiten Innendurchmessers.
(11) Wenden des Werkstückes und (10) wiederholen (der exakte Rundlauf der
letzten beiden Arbeitsschritte ist uns egal).
(12) Die mittige Eintiefung des Kolbenaußendurchmessers kann ganz zum Schluss
mit eingespannter Kolbenstange erfolgen. So erkennt man sofort den Rundlauf
des Kolbens. Minimale Abweichungen wird der O-Ring übernehmen oder eventuell
durch seine schlechte Qualität verursachen.

Zweiter Weg:

Mir blieb als Erstanwender leider nur der ZWEITE WEG
Kolbendurchmesser ist zugleich Zylinderdurchmesser.

Arbeitsschritte:
(1) bis (11) herstellen (sieh oben)
(12) Richtigen Kolbendurchmesser durch schrittweises verkleinern desselben
ermitteln. Gleichzeitig mittige Eintiefung nacharbeiten.
(13) Kalibrierrohr und Dorn drehen und den Außendurchmesser des Dorns in
diesem Forum veröffentlichen.
Der letzte Arbeitsschritt wurde von mir nicht ausgeführ, daher ist der
Außendurchmesser der "EMMA-Kolben" mit Vorbehalt zu gebrauchen!

Anmerkung: Aussendurchmesser sind exakter messbar (in diesem Fall nur DIGITAL)
Kolbendurchmesser 0,03mm zu groß bemerkt man, 0,03mm zu klein bring einen
Leistungsverlust (der Anwender gibt aber zuerst der Konstruktion die Schuld )


mfG
Wolfgang Kropatschek


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BeitragVerfasst: 03.02.2011, 09:39 
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Beiträge: 89
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Was ist denn mit den Kolben von Pierre Sidler, die du auch schonmal hier vorgestellt hast? Die sollen doch auch gut funktionieren. Hat die schon mal jemand nachgebaut und verifiziert ob die Zeichn ungen dazu auch funktionieren?


Posting dazu:

_________________
Dampfende Grüsse vom Peter
aus Lünen an der Lippe
-----------------------------------------------------------

Meine Finger sagen, Dampf sei das heisseste Hobby das sie kennen würden...


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