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BeitragVerfasst: 20.11.2009, 17:30 
Hallo Zusammen

Hier mal ein paar Tips zum Bohren (welches anscheinend nicht für alle so einfach wie für mich ist):

1. Chromnickelstahl

(DER Bohrer-Killer schlechthin... :X )
Man sollte mit niedriger Drehzahl (max. 1/2 vom Wert für Stahl) und züigig, das heisst mit genügend Druck bohren. Unbedingt Kühlen! Auch sollten die Bohrer extrem scharf sein, und am besten aus HSS Co-8. (höherer Kobaltanteil erhöht die Verschleissfestigkeit)
Wenn man aber zu vorsichtig bohrt, dann tritt eine Verfestigung der Oberfläche auf und der Bohrer kann erst recht nicht bohren. Wenn diese Schicht durchbrochen wird, gibt es dann ein ziemlich hässliches knirschen.
Ebenso tönt es, wenn der Bohrer nicht scharf genug ist.
Wenn man nicht kühlt, dann wird die vorderste Spitze der Schneide sehr schnell durch die Verformungswärme welche beim Chromnickelstahl ziemlich gross ist, ausgeglüht und der Bohrer verliert seine Schärfe.

2. Aluminium bohren
Für Aluminium sollte man Bohrer mit polierten Spanleitstufen haben, da sonst die Späne stecken bleiben.
Neuerdings werden dort wo ich früher die Bohrer gekauft hab, Bohrer angeboten, die sehr deutliche Schleifspuren haben. Die gehen gar nicht gut für Aluminium.
Zum schmieren kann man Brennspiritus verwenden, das funktioniert ziemlich gut (auch zum Fräsen/drehen)
Man sollte ausserdem häufig den Bohrer zurückziehen, umso mehr je kleiner er ist.
Die Bohrer sollten auch sehr scharf sein.

3. Kupfer bohren
Für Kupfer sollte man wiederum sehr scharfe Bohrer haben, die Schmierung sollte unbedingt erfolgen, am besten mit Kss mit hohem Ölanteil oder gleich nur reines Schneidöl verwenden. Immer wieder taucht auch das Statement auf, dass zum Bohren von Kupfer sehr gut Milch verwendet werden könne; ich hab es selbst noch nie ausprobiert.
Drehzahlmässig kann man ungefähr gleich wie Stahl bohren, also tendentiell eher langsam.

4. Messing bohren
Für Messing gibts eigentlich hautpsächlich eins, das beachtet werden sollte: Der Spanwinkel sollte praktisch 90° betragen, sonst reisst der Bohrer wenn er aus der Bohrung austritt, oder wenn er nicht ins Volle bohren muss (z.B. vorgebohrtes Loch aufbohren)
Messing bohrt man grundsätzlich trocken.

5. Bronze bohren
Hier kommt es auf die Bronze an. Rotguss (RG-7) ist vom Verhalten her sehr ähnlich wie Messing und kann mit derselben Methode gebohrt werden.
Ansonsten zährere Bronzen (z.B.CuSn8) sollten mit sehr scharfen Werkzeugen bearbeitet werden und die Drehzahl sollte dabei eher gering gehalten werden.

6. Grauguss bohren
Grauguss bohrt man ebenfalls trocken. Ausserdem muss man aufpassen, dass man Führungen von Werkzeugmaschinen gut abdeckt, da Grauguss Graphitstaub freisetzt wird und dieser nicht gerade förderlich für die Genauigkeit der Maschinen ist.

7. normalen Stahl bohren
Tja öhm, dazu gibts nichts besonderes zu sagen, etwas kühlen hilft oft wunder wenn die Bohrung nicht so toll wird (mal abgesehen davon, dass der Bohrer unscharf wäre)

So, nun stellt eure Fragen, bin ja mal gespannt was da noch so kommt.

Gruss Florian


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BeitragVerfasst: 20.11.2009, 17:56 
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Hallo Florian!

Ich möchte durch einen etwa 1 cm dicken Messingblock (Schieberkasten) 6 Löcher mit 1,5 mm Durchmesser bohren - womöglich gleich durch in den Zylinderblock.

Trotz ankörnen, mit Zentrierbohrer vorgebohrt, kommt der nicht gerade billige und neue Bohrer (dieser eingespannt in eine BF 20 L als Bohrmaschine) - bei dem in einem Präzissionsschraubstock eingespanntem Werkstück - auf der anderen Seite garantiert nicht an den geplanten Stellen heraus :OW Der Bohrer verläuft sich in der Regel aber bei jedem der 6 Löcher in eine andere Richtung ...

Wie kann man verhindern, dass sich der Bohrer verläuft :GR

vlg, Christian

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BeitragVerfasst: 20.11.2009, 18:44 
Hallo Christian

Dies kann mehrere Ursachen haben.

1. Ungleich geschliffene Schneiden (bei deinen Bohrern unwahrscheinlich da neu)
2. zu spitzer Spanwinkel für Messing, da reisst sich der Bohrer ins Material und die Zentrierwirkung ist dahin (vermutlich das was bei dir passiert ist)
3. inhomogene Verteilung der Legierungsbestandteile oder Lunker (bei Guss)

Bei dir dürfte es helfen, den Bohrer "neutral zu schleifen".
Dazu gibts in einem Buch von Jürgen Eichardt einen schönen Beitrag; ich werd mal noch einen Bohrer von mir fotografieren um dir zu zeigen was ich meine.

Oder aber dann einen Bohrer zu kaufen, der für kurzspanende Werkstoffe geeignet ist (mit fast keinem Drall)
Wie hier auf diesem Bild in der Mitte:

Bild

Gruss Florian


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BeitragVerfasst: 21.11.2009, 00:40 
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Florian hat geschrieben:
Bei dir dürfte es helfen, den Bohrer "neutral zu schleifen" ... Oder aber dann einen Bohrer zu kaufen, der für kurzspanende Werkstoffe geeignet ist (mit fast keinem Drall)


Hallo Florian!

Einen 1,5mm-Bohrer neutral zu schleifen - in der nötigen Präzission - das glaub ich wird bei mir nix :X
aber wo bekomm ich einen neuen mit fast keinem Drall her?

vlg, Christian

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BeitragVerfasst: 21.11.2009, 10:09 
Hallo Christian

Nunja.. du musst ihn nicht zwingend neutral schleifen, da gibts noch ne andere Variante.

Nimm ein 1000er Schleifpapier (oder so)
Dann nimmst du den Bohrer und ziehst ihn mit dem Hinterteil voran über das Schleifpapier, sodass eine gaaaanz kleine Fläche an der Schneide angeschliffen wird, die dann ein 90° Spanwinkel bildet.
Dies muss selbstverständlich am Rand des Bohrers gemacht werden.

Weisst du was, ich mach ein Filmchen davon wie das gehen soll.

Was mir grad noch so in den Sinn kommt:
Was für ne Drehzahl verwendest du um mit dem 1,5er Bohrer zu Bohren?
So um die 3000 U/min sollten es dann schon sein!

Gruss Florian


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BeitragVerfasst: 22.11.2009, 09:07 
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Hallo Florian!

Mit so hoher Drehzahl hab ich sicher nicht gebohrt ... :K

vlg, Christian

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BeitragVerfasst: 22.11.2009, 12:19 
Hallo Christian

Theoretisch errechnet müsste der 1,5 mm Bohrer mit etwa 12'000 Umdrehungen drehen wenn du Ms 58 bearbeitest...
Obwohl irgendwie kommt mir das etwas komisch vor...
Wie auch immer, für Messing solltest du schon eine höhere Drehzahl nehmen.
kannst du eine Drehzahltabelle für alle gängigen Materialien einsehen...
Aber ich würds als erstes mal mit der höheren Drehzahl versuchen; und wenn du 3000 nicht erreichst, (du hast doch ne Bf 20 oder? Die erreicht diese Drehzahl...) dann einfach mit der höchstmöglichen...

Gruss Florian


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BeitragVerfasst: 22.11.2009, 12:40 
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Ja, Florian, die schafft sie :wink:

Danke für die Tabelle!

vlg, Christian

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BeitragVerfasst: 23.11.2009, 12:40 
Hallo Christian

Hast du schon einen neuen Versuch unternommen mit der höheren Drehzahl?

Gruss Florian


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BeitragVerfasst: 23.11.2009, 20:11 
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Nein, Florian,

momentan bohr ich meißt größere Löcher :flt: :flt: :flt:

Bild

Das mit den 1,5mm-Löchern ist schon eine Weile her, und das sah damals so aus :oops: :

Bild

Aber zusammengebaut sieht niemand was von dem Murx, desshalb bleibt es auch so :wink:

Bild

Es wird also noch eine Weile dauern, bis ich das ausprobieren werde - ist aber auf jeden Fall vorgemerkt :smz:

Danke, Florian!

vlg, Christian

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BeitragVerfasst: 24.11.2009, 01:22 
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Hallo Florian und Christian,
bei Bohrungen bis 3 mm Durchmesser verwende ich seit Jahren zu meiner vollen Zufriedenheit Kehlbohrer (qualitativ hochwertig von der Firma Eureka). Sie sind sehr steif , haben zwei Längsnuten und sind spitz angeschliffen. Man muß nicht ankörnen, selbst dünne Bohrer verlaufen nicht und sie reißen auch beim Austritt das Material nicht hoch. Je nach Durchmesser ist allerdings die Bohrtiefe auf 5-20 mm gegrenzt und man sollte desöfteren ausspanen. Wenn man wegen der Bohrtief mit einem Spiralbohrer nachbohren muß hat dieser dann eine gute Führung und verläuft nicht so leicht. Ich verwende sie vorrangig für Messing 58 und Silberstahl. Bei MS 63 und Kupfer erhöhte Bruchgefahr.
Schaut mal im Internet unter Eurekabohrer. Erhältlich sind sie im Uhrmacher- und Goldschmiedebedarf z.B. bei den Firmen Flume oder Fischer. Ein Versuch lohnt sich.
Gruß Ullrich.


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BeitragVerfasst: 25.11.2009, 09:21 
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Hallo Ullrich,

danke für den Tip!

Hab gerade gesehen, in Wien gibt es sie hier:



Werde mir gleich einmal welche holen :E

vlg, Christian

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