Hallo Schienendampfer,
im Herbst konnte ich eine gebrauchte Reppingen 996001 erwerben. Ich habe schon länger auf so eine Gelegenheit gewartet und gleich zugeschlagen, da die Loks doch recht selten gehandelt werden.
Mir war beim Kauf bewusst, dass die Lok in keinem besonders guten Zustand war (Siehe Bild).
Mit dem tatsächlichen Ausmaß an kleineren und größeren Katastrophen habe ich aber nicht gerechnet.
Deshalb habe ich direkt die Entscheidung getroffen mit der Lok "Tabula rasa" zu machen. D.h. alles auseinander bauen, sandstrahlen, alle Problemchen zu beseitigen und anschließend zu lackieren und wieder zusammenzubauen.
Im Herbst habe ich mit der Demontage begonnen. Dabei zeigte sich dann weshalb der Vorbesitzer mit Sicherheit keine Freude an der Lok hatte. Neben nicht richtig haftendem Lack, schlechten Lötstellen am Gehäuse und offensichtlich generell wenig Liebe beim Bau der Lok waren das die "interessantesten" Probleme:
- Im Dampfverteiler war eines der M5x0,5 Gewinde eine abgeknipste Spax Holzschraube "gewürgt". Das Gewinde konnte ich glücklicherweise retten.
- Das Loch im Rahmen, in dem die Steuerstange gelagert ist, wurde warum auch immer um 1mm aufgebohrt. (Vielleicht weil der Rahem sich beim Löten verzogen hat und die Löcher nicht mehr gefluchtet haben) Das heißt, dass die beiden Schwingen hin und her eierten. Dieses Problem wurde dann vom Vorbesitzer mit zwei um die Löcher gewickelten Drähten kaschiert. Die Steuerung konnte somit nicht eingestellt werden. Deshalb fuhr die Lok garantiert überhaupt nicht, oder nur sehr holperig.
Also habe ich nun Stück für Stück den ganzen Murks beseitigt.
Angefangen mit den Radsätzen. Bei diesen waren auch noch zwei Radsätze lose auf der Welle. Nach Rücksprache mit Ralph Reppingen, der mir erklärte, dass die Radsätze bei ihm seit einigen Jahren auf einer Vorrichtung verpresst werden, hat er mir angeboten die Räder bei sich nochmals neu im richten Winkel zu verpressen. Das Angebot habe ich gerne angenommen.
Während die Räder in Arbeit waren, habe ich alle Teile sandgestrahlt und begonnen die schlechten Lötstellen zu korrigieren. Das war insgesamt recht aufwändig. Der Vorbesitzer hatte die Lok wohl aus einem Teilesatz gebaut und sich dabei wohl etwas überschätzt.
Anschließend habe ich am Rahmen einiges nachbearbeitet, wie z.B. die Lagerbohrungen der Steuerstangen, bzw. Schwingenlagerung wieder fluchtend bearbeitet und passende Teflonlager gedreht.
Nachdem die Radsätze von Reppingen zurück waren, gab es eine erste Stellprobe
Über die Feiertag konnte ich die Zeit nutzen alle Teile zu grundieren und zu lackieren.
Anschließend kamen beim Zusammenbau auch wieder einige Überraschungen auf mich zu. Beim Einstellen der Steuerung stellte sich heraus, dass sich die rechte Triebwerksseite nicht vollständig symmetrisch einstellen lies. Ich vermute, dass durch das hin und her mit der Schwingenlagerung leider die rechte Schwinge minimal an falscher Stelle sitzt. Also habe ich mir eine längenverstellbare Schwingenstange gebaut und die ideale Länge ermittelt. Es war tatsächlich nur 0,6mm mehr an Länge.
Diese 0,6mm habe ich an der originalen Stange erreichen können, indem ich bei er Lagerbohrungen mit einem 3mm und am anderen Ende mit einem 4mm Fräser um jeweils 0,3mm exzentrisch versetzt habe. Anschließend habe ich zwei Teflonlager eingesetzt. Damit konnte ich exakt 0,6mm mehr Länge erreichen und somit ließ sich die Steuerung symmetrisch einstellen.
Ich bin hierbei sehr penibel, da sich das extrem auf die Langsam - Fahreigenschaften der Lok auswirkt.
Generell muss man beim Fahrwerk sehr genau arbeiten, so dass überall Leichtlauf gewährleistet ist, aber alle Lagerspiele möglichst gering sind.
Ich habe der Lok noch einige Details gegönnt. Aus Riffelblech habe ich originalgetreue Trittbleche angefertigt, die Lampen haben weiße Lampenringe bekommen und auch eine Zughakenkupplung folgt noch.
Die Lampen sind per RC-Schalten mit der Fernbedienung zwischen vorwärts und Rückwärts schaltbar.
Mit dem Endergebnis bin ich sehr zufrieden. Seht selbst:
Ich hoffe, dass euch der Bericht gefällt und für den ein oder anderen einen Mehrwert bietet.
Ein Video in Aktion folgt noch.
Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr 2025 mit viel Dampf!
Liebe Grüße,
Steffen (DampfCraft GmbH & Dampflok GREIF Karlsruhe)