Inzwischen ist bald wieder ein ganzes Jahr vergangen und der Bildbericht ist im Frühjahr 2024 hängengeblieben, also fast 2 Jahre - Aufholbedarf.
Dafür jetzt aber gleich ein Spezialthema: Bleischraube.
Alternativ Schmelzpfropfen und in der Schweiz, so hab ich mir sagen lassen, auch Joggeli genannt.
Auch wenn sie bei uns "Bleischraube" genannt wird, ist es keine Schraube im ursprünglichen Sinn als Verbindungselement. Vielmehr kann man es hier im ersten Moment eher als Verschlussschraube sehen. Die Schraube hat außen ein kegeliges Gewinde um dicht eingebaut werden zu können. Mittig ist sie durchbohrt, zur besseren Haftung mit einem Gewinde versehen und anschließend mit einer Bleilegierung (Blei, Antimon und Zinn) ausgegossen. Diese Bleischraube wird dann in ein in der Feuerbüchsdecke eingebrachtes ebenfalls kegeliges Gewinde dicht eingeschraubt und schaut ein kleines Stücken oben raus. Der Zweck dieses Bauteils ist die Sicherung der Lokmannschaft bzw. des ganzen Zuges und des Umfelds. Sollte im Kessel der Wasserstand zu weit absinken, schmilzt der Bleiausguss und läuft aus, bzw. wird weich und durch den im Kessel herrschenden Dampfdruck ausgeblasen, soll das Lokpersonal optisch (Dampfwolke) und akustisch (lautes Zischen) auf diesen Missstand hingewiesen werden. Weiters soll der austretende Dampf/Wasser das Feuer in der Feuerbüchse etwas eindämmen, hier gibt es unterschiedliche Aussagen. Persönlich kann ich mir das nur bedingt vorstellen, aber persönlich habe ich damit keine Erfahrung und möchte das auch in Zukunft vermeiden. Es gibt dazu ja einige wirklich unschöne Geschichten. Die wohl bekannteste dürfte den Unfall in Bitterfeld in den 1970er Jahren betreffen.
Kesselzerknall in Bitterfeld – Wikipedia
Folgende beide Darstellungen sind der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens entnommen.
Quelle: http://www.zeno.org - Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH
Zuerst der Einbauort im Kessel. Hier dargestellt sogar zwei Stück, das war auch bei der Achenseebahn früher Standard, inzwischen haben aber alle unsere Kessel nur mehr einen Bleischrauben. Auch alle anderen Loks abseits der Achenseebahn die ich bisher gefahren bin haben nur einen - möglicherweise gab es hier einmal eine Änderung der Vorschrift / bestimmt auch nationale Unterschiede. Bei min. einer deutschen Lok habe ich schon 2 gesehen.
Schnittdarstellung einer Bleischraube
Im Technischen Museum in Wien gibt es ein tolles Schnittmodell. Die kkStB 1.20 (Baujahr 1883) hat man bereits vor 100 Jahren, 1926, in der Werkstätte in Linz zu Anschauungs- und Lehrzwecken "geöffnet". Gut zu sehen die beiden ebenfalls mittig durchtrennten Bleischrauben.
Und da es hier ja im Grund noch um die Achenseebahn geht, hier die Situation an einer unserer alten ausgebauten Kupferboxen.
beim Blick durchs Feuerloch schaut die Sache folgendermaßen aus... (Anprobe Neuteil noch ohne Ausguss)
und wenns so ausschaut...
... dann ist entweder der Bleiausguss defekt, oder die Verschraubung Bleischraube-Boxdecke "saftelt". Jedenfalls heißt es dann: Ausbauen - Kontrolle. Und das ganz bequem auf einem Kohlenhaufen und zur Hälfte im Kessel steckend...
Sollte der Ausguss schadhaft sein, oder neue Bleischrauben nötig sein, dann wird folgendermaßen vorgegangen. Ausschmelzen des alten Ausgusses und gründliche Reinigung. Anschließend verzinnen mittels entsprechender Verzinnungspaste. Hier zwei komplett neue Bleischrauben, die linke bereits verzinnt.
Als nächstes folgt das Ausgießen mit der Bleilegierung. Bei uns gibts dafür diese Spezialvorrichtung.
Und am Ende kommt dann das raus:
Abschließend wird der überstehende Teil des Ausgusses passend abgelängt, verrundet und eingebaut.
Soviel zum heutigen Dampflok-Exkurs. Mal schauen wann es weitergeht, ich hoffe nicht erst wieder in einem Jahr...
Schöne Grüße von der Achenseebahn
Manuel